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    ourartisans

    WAYUU
    Kolumbien

    In den Mythen der Wayuu wird erzählt, wie sie die textile Handwerkskunst von den Göttern geschenkt bekamen. Ein junger Jäger findet in der Wildnis eine Waise. Aus Mitleid nimmt er sie mit in sein Dorf. Ihr Name, sagt sie, sei Wolokona. Irunuu, der Jäger, lebt mit seinen drei Schwestern zusammen. Denen missfällt, dass er das Mädchen zu ihnen bringt. Wenn ihr Bruder auf der Jagd ist, behandeln sie Wolokona schlecht und bürden ihr die unangenehmsten Arbeiten auf. Soweit könnte das auch eine Geschichte aus den Grimmschen Märchen sein: Die bösen Schwestern terrorisieren ihre Stiefschwester wo sie können. Interessant ist, dass trotz der Parallelen, die Legende der Wayuu nicht in den europäischen Nadelwäldern, sondern im sonnigen La Guajira, einer wüstenähnlichen Halbinsel im Norden Kolumbiens angesiedelt ist. 

    Im weiteren Verlauf fristet Wolokona anfangs ein tristes Dasein unter dem Regime der drei bösen Schwestern, doch eines Nachts schweben wunderbar leuchtende Garne aus ihrem Mund. Das ist ihre Rettung und zugleich die mythische Geburtsstunde der mochila wayuú. Um das Herz des Jägers zu erobern, beginnt Wolokona prachtvolle Taschen und Gürtel zu häkeln. Bis heute ist ihre Kunstfertigkeit – dabei bleibt Wolokona eine geheimnisvolle Figur, die wegen ihres geschickten Umgangs mit den Garnen auch als Spinnengottheit dargestellt wird – Vorbild für die jungen Frauen der Wayuu. Mit dem Beginn der Pubertät durchlaufen diese ein mehrwöchiges Ritual, in dessen Verlauf ihnen auch von den älteren weiblichen Verwandten, das Häkeln einer mochila beigebracht wird. Die weiblichen Tugenden – bei den Wayuu handelt es sich übrigens um eine matriarchalisch orientierte Gesellschaft, in der die Männer den Familiennamen der Frau annehmen – sollen durch die Handarbeit gefördert und ausgedrückt werden.

    Dass die Wayuu, als größte indigene Gruppe Kolumbiens über die Halbinsel La Guajira verstreut (heute etwa 140.000 Menschen zählend, dazu weitere 170.000 im benachbarten Venezuela), überleben konnten, hat auch etwas mit der Kargheit La Guajiras zu tun. Als die ersten conquistadores aus Europa an den Küsten landeten, stellten sie fest, dass dort nicht viel zu holen war und zogen auf der Suche nach Eldorado weiter ins ohnehin fruchtbarere Landesinnere. Auch heute noch ist La Guajira eine der ärmsten Gegenden Kolumbiens.
    Die mochilas wayuú sind ein elementarer Bestandteil der Wayuu-Kultur. Die Taschen haben eine runde Form und werden vom Boden her, in einer Technik, die dem Häkeln verwandt ist, „aufgebaut“. Je nach Muster und Qualität arbeitet eine einzelne Frau zwischen zwei und vier Wochen an einer mochila wayuú.

     

     

     

     

     

     

     

     

    Text & Fotos von Martin Specht

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